Andreas Niggemeier

Zart züngelnd, kraftvoll formulierend und dennoch dabei ein ungewisses „Was kommt denn gleich noch?“ in der Luft. So hörte ich zunächst seine Zeilen.

Andreas NiggemeierFoto: Thomas Stelzmann

Ein junger Mann mit Bart, gekleidet in schwarz: Einer dieser typischen Jung-Intellektuellen, die sich zumindest von ihrer Arroganz her selbst nähren?

Nein, der war nicht so.  Der war irgendwie … anders: ehrlicher, direkter. Irgendwie Rock ‚n‘ Roll, aber literarisch. Dabei hatte er doch gerade zarte Zeilen vorgetragen, voller Gefühl und subtiler Kraft. Merkwürdig. Zugleich aber war er extrem präsent, und man mußte ihm einfach zuhören.

Ich lehnte mich also hinter meinem Klavier zurück. Mein Job heute abend war ja sowieso eine Begleit-Sache. Die Salonière hatte mich gebeten, zur Auflockerung zwischendurch ein paar Takte zu spielen.  Das mache ich gerne, zumal wenn man wirklich bemerkenswerte Literatur hört. Seinen Namen hatte ich wieder vergessen; ich hatte mal entschieden, mir nur noch die wichtigen Namen zu merken.

Er war nun mit seiner Lesung fast fertig. Plötzlich fragte er mich, ob ich denn nicht versuchsweise ein paar Untermalungen beisteuern könnte. Gesagt, getan. Und es war sehr beeindruckend: die November-Bedrückung seines Textes paßte wunderbar zu den ruhigen Klängen.

Etwas schuldbewußt fragte ich ihn danach: „Entschuldigung, wie heißen Sie doch gleich noch?“ Er lachte mich an und sagte: „Ich bin Andreas Niggemeier. Freut mich, daß es mit der Begleitung so schön geklappt hat. Du kannst Andreas sagen. Wollen wir das nicht noch mit anderen Texten ausprobieren?“

Jetzt sind wir ein Duo; das Duo Klatt und Niggemeier